9
Gnade zu erflehen, der nicht darnach fragen, was vor Gericht bewieſen iſt, oder nicht, ſondern ſeine innere Ueberzeugung zu Rathe ziehen wird.“— Die Seuderi mußte dem tief erfahrnen d'Andilly nothgedrungen beipflichten. In tiefen Kummer ver⸗ ſenkt, ſinnend und ſinnend, was um der Jungfrau und aller Heiligen willen ſie nun anfangen ſolle, um den unglücklichen Brußon zu retten, ſaß ſie am ſpäten Abend in ihrem Gemach, als die Martiniere eintrat und den Grafen von Mioſſens, Obriſten von der Garde des Königs, meldete, der dringend wün⸗ ſche, das Fräulein zu ſprechen.
„Verzeiht, mein Fräulein,“ ſprach Mioſſens, in⸗ dem er ſich mit ſoldatiſchem Anſtande verbeugte, „wenn ich Euch ſo ſpät, ſo zu ungelegener Zeit überlaufe. Wir Soldaten machen es nicht anders und zu dem bin ich mit zwei Worten entſchuldigt. — Olivier Brußon führt mich zu Euch.“ Die Scuderi, hochgeſpannt, was ſie jetzt wieder erfah⸗ ren werde, rief laut:„Olivier Brußon! Der Un⸗ glücklichſte aller Menſchen!— was habt Ihr mit dem?⸗—„Dacht' ich's doch,“ ſprach Mioſſens lä⸗ chelnd weiter,„daß Eures Schützlings Namen hin⸗ reichen würde, mir bei Euch ein geneigtes Ohr zu verſchaffen. Die ganze Welt iſt von Brußons Schuld überzeugt. Ich weiß, daß Ihr eine andere Meinung hegt, die ſich freilich nur auf die Betheuerungen des Angeklagten ſtützen ſoll, wie man geſagt hat.


