Zehntes Kapitel.
Trotz dieſer Verſöhnung gingen ſie von einander— nach menſchlicher Vorausſicht, auf Nimmerwiederſehen; denn die Pfarrerin war durch alles, was die letzte Zeit über ſie verhängt hatte, in ihrer Kraft gebrochen, und der Sohn wollte nicht im Lande bleiben, ſondern, wie er es auch zuvor ſchon im Sinne gehabt, dahin zurückkehren, wo er ſchon in den vergangenen Jahren hart, aber mit Erfolg für ſein Fort⸗ kommen gearbeitet hatte. Daß er das bisher als Seemann gethan, darf uns bei einer ſolchen, nach Thätigkeit und Uebung der körperlichen Kraft verlangenden Natur um ſo weniger auffallen, als er obendarein an der See geboren, von Jugend auf mit ihr ſozuſagen in Verbindung geblieben und gleich all' ihren Anwohnern mit der vollen Vorliebe für ſie und die Thätigkeit auf ihr erfüllt war. Jetzt freilich, da er das Mädchen mit ſich führen wollte, dem er in allen Wirrniſſen und Gefahren ſeine Liebe und Treue bewahrt, und da er überdies von der Mutter ein verhältnißmäßig be⸗ deutendes, ihm längſt zuſtehendes Capital ausgeliefert erhalten hatte, jetzt wurde drüben ſein Lebensweg ein anderer und leichterer.
Und auch hier trat wieder ein Zug hervor, der die Theilnehmenden erfreute und ſie mit ſteigendem Vertrauen erfüllte. Er nahm Chriſtine nicht ſogleich mit, ſondern ging
allein voraus, um für ſie und ſich die Heimath zu gründen. Ueber's Jahr ſollte ſie ihm folgen, oder wollte er ſie holen. Inzwiſchen wußte er ſie bei Bensheim geſichert.
Und heut war der Morgen der Abfahrt da. Das Schiff,


