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An der See.
hin und um ſo höher anrechnen, als er innerlich von der Wahrheit der Anſchuldigungen nur allzu feſt überzeugt war. Denn gleich nach dem Austrag der Angelegenheit hatte draußen im Pfarrhauſe jene zweite Scene zwiſchen dem Sohn und den Eltern ſtattgefunden, deren wir Siemann gedenken hörten und die, nach ſeiner Darſtellung, die vollſtändige Trennung der Verwandten zur Folge haben mußte.
Für Detlef's kindliches Gefühl ſprach aber auch ſein Verlangen, ſich jetzt mit der Mutter zu verſtändigen und zu verſöhnen, und die zugleich liebevolle und taktvoll einfache Weiſe, in der dies ausgeführt wurde. Alsbald, nachdem er frei geworden, ging er nach Roſenhof hinüber, wo Kruſe der unglücklichen Familie auch jetzt noch eine Freiſtatt gewährte, und hatte eine lange Unterredung mit Frau Thereſe und ihrem gerade anweſenden Bruder, welche das beſte Ende nahm. Beſtfeld ſo gut wie die Pfarrerin ſelbſt äußerten ſich ſpäter gegen den Oberamtmann mit wärmſter Anerkennung und vollſter Dankbarkeit über Detlef's redliche, ernſte und zugleich ſchonende Weiſe, und die Mutter beklagte mit tau⸗ ſend Thränen die alte böſe Zeit mit ihren Sünden, ihrer Verblendung und der, allem Recht und aller Billigkeit, ja aller Menſchlichkeit hohnſprechenden Mißhandlung ihres Kin⸗ des. Wie ſie Detlef jetzt vor ſich fand und kennen lernte, mußte ſie wohl zu der traurigen Frage kommen, was aus ihm für die Welt, für die Seinen, für ſich ſelbſt hätte wer⸗ den müſſen, hätte ihn nicht der Haß, ſondern die Liebe durch's Leben geleitet!


