An der See.
daher nicht ausdrücklich die Schönheit und die Reize des Bildes ſtudiren, ſondern einen einzelnen Gegenſtand beobach⸗ ten wollte, ſo genügten auch einzelne, gelegentliche Blicke vollkommen, um jede etwaige Veränderung ſogleich wahrzu⸗ nehmen. Und das war ſehr gut, denn allzu viel Zeit und Aufmerkſamkeit hatten die Augen der beiden Menſchen nicht für ihre Umgebung übrig. Sie ſchauten immer von neuem wieder in einander, tief und lange. Und die beiden Men⸗ ſchen waren Detlef und Chriſtine.
Die günſtige Veränderung, welche wir an dem viel ver⸗ folgten Manne bereits in jener Stunde wahrnahmen, da er ſich auf Jägersruh dem Oberförſter vorſtellte und bald darauf die Grobheit des Herrn Lüders bändigte, hatte in der ver⸗ gangenen Zeit auße rordentliche Fortſchritte gemacht. Jetzt ſah Detlef nicht nur wie ein anſtändiger Menſch darein, ſondern entſchieden wie ein Mann der gebildeten Klaſſen, und zugleich wie jemand, der im Leben ſeinen guten und berechtigten Platz hat, und ihn zu behaupten gewillt iſt und mit Ruhe und Vertrauen der Zukunft entgegenſchaut. Die Hagerkeit und Schärfe hatte ſich faſt ganz aus ſeinen Zügen verloren, und wenn die Stirne auch zum wenigſten die Spu⸗ ren der tiefen Falten zeigte und aus den dunkeln Augen noch immer ein ungewöhnlich feſter und entſchloſſener Blick hervorbrach, ſo machte dies dennoch keinen finſteren und trotzi⸗ gen Eindruck mehr. So hatte die freundliche und menſch⸗ liche Behandlung gewirkt, ſo die Erkenntniß, daß die ſteten Gefahren, der ſtete Kampf zu Ende, und endlich und vor


