190 Neuntes Kapitel.
ſein Leichtſinn und ſeine Ausſchreitungen, die man nicht leug⸗ nen konnte; ſeine Verbindung mit jenein Advokaten, welche ſeine Sache in juriſtiſchen Kreiſen, wo der Mann als Rabu⸗ liſt, Intrigant und Händelmacher halb gefürchtet, halb gehaßt wurde, von vornherein zu einer verlorenen machte; die Gleich⸗ gültigkeit oder Scheu des großen Publikums gegen alles, was nicht die perſönlichen Intereſſen berührt; endlich die Flucht und lange Abweſenheit des Einen, die ihn jeder Beobachtung und gewiſſermaßen auch jeder Theilnahme entzog, und die Anweſenheit des Anderen, der grude dieſe Zeit vortrefflich benützte, ſich in ſeinen Kreiſen noch feſter zu ſetzen.
Es ſtand ziemlich feſt, daß Siemann, wie wir ſchon anführten, mit Detlef's Mutter in der Stadt und vielleicht ſogar vor ihres erſten Mannes Tod, bekannt geweſen war und einen großen Einfluß auf die— ſagen wir nur: ſchwache Frau gewonnen hatte. Es ſtand weiter feſt, daß das Ver⸗ mögen der Dame durch den Bankerott viel weniger berührt wurde, als der Magiſter gelegentlich anzugeben pflegte, ja daß aus den vorhandenen Activen noch gewiſſe Summen für ſie gerettet wurden— es gab hier allerhand Geheimniſſe, deren Aufdeckung für uns aber ohne Intereſſe iſt. Genug, die Wittwe Horſt beſaß, um nur von Geld und Gut zu reden, ſo viel, daß dadurch die Habſucht des Magiſters ge⸗ reizt wurde und er ſchon damals begann, nach dieſer Beute zu ſtreben. Einer von jenen großen Verbrechern, die rück⸗ ſichtslos ihrem Ziele entgegengehen, war er nicht; überdies ſchien er nicht blos nach dem Vermögen der Wittwe, ſondern


