Magiſter Siemann.
ſtehen, hatte Siemann im Allgemeinen mit einer Vorſicht operirt und alle Spuren, die ihm hätten gefährlich werden können, mit einer Sorgfalt und Schlauheit verborgen, die von ſeinem Standpunkt aus aller Achtung werth waren. Ob hin und wieder dennoch einzelne kleine bedenkliche Züge ſicht⸗ bar wurden, ſchier ihn nicht groß angefochten zu haben. Wenn er ſeine Zwecke erreichte und dabei im Sinne des Ge⸗ ſetzes nicht ſtraffällig wurde, durfte ſein Ruf und Charakter ſchon ein wenig leiden. Das ſtellte ſich wohl wieder her. Bei weitem anders ſtand es in allem, was ſein Ver⸗ hältniß zu ſeinem Stiefſohn, Detlef Horſt, und ſein Ver⸗ fahren gegen dieſen anging. Je weiter man jetzt in dieſe Zuſtände eindrang, deſto weniger fand man von der erwähn⸗
ten unleugbaren Vorſicht, Schlauheit und Sorgfalt; im Gegen⸗
theil ſah man deutlich und immer deutlicher, daß der Ma⸗ giſter ſeiner ſo zu ſagen nicht mehr Herr geblieben, vielmehr durch Habſucht und Eigennutz, durch Ungeduld und Erbit⸗ terung oder Haß, oder was es ſonſt für Regungen ähnlicher Art geweſen ſein mochten, von einem bedenklichen Schritt zum anderen fortgetrieben war. Wir dürfen wohl wieder⸗ holen, daß hier vieles hatte zuſammenwirken müſſen, um über die beiden Menſchen nicht alsbald zu einem bei weitem anderen, für Siemann höchſt ungünſtigen Urtheile zu ge⸗ langen: das Vorurtheil und die Protection, die der Geiſt⸗ liche ſich gerade in den maßgebenden Kreiſen zu ſichern verſtanden, die Gleichgültigkeit, die Detlef ſich gerade dieſen Kreiſen entfremden oder gar gegenüberſtellen ließ;


