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Treue siegt : eine Geschichte von der See / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Auf dem alten Damm. 7

Das ſieht man auch an den noch erhaltenen Weiden: es ſind ausnahmslos ehrwürdige Geſellen, grau, kropfig, zer⸗ riſſen und die eine wie die andere hohl von den Wurzeln bis zu den Zweigen. Nur mit einer von ihnen ſteht es beſſer und iſt dieſelbe ſozuſagen zu ihrem Baumesrecht ge⸗ kommen, ohne daß man recht zu erkennen vermöchte, was ſie ſo ungewöhnlich begünſtigt hat. Die Menſchen haben augen⸗ ſcheinlich nie Hand an ſie gelegt, der Sturm hat ihr Ge⸗ zweige nicht geſchädigt und der Froſt zerriß ihre Rinde nicht. So wurde ſie, was man hierzulande eineSturmweide heißt, ein ganz gewaltiger Baum, den drei Männer kaum umklaftern und deſſen hochragender Wipfel meilenweit in die See hinaus den Schiffern zur Marke dient.

Wir haben den Leſern ſchon geſagt, daß es ein wunder⸗ bar heller und klarer Tag war. Am Himmel war überall die eine, ein wenig ſcharfe Bläue und nichts von Wolken zu ſehen, und auf Erden fand ſich weder nah noch fern auch nur eine Spur von Duft oder Dunſt. Alles lag in einer Flut des goldenſten Lichts, und das Funkeln und Blitzen in den Wellen blendete dermaßen, daß kein Menſchenauge den Blick darauf lange auszuhalten vermocht hätte. Der Wind kam friſch über die See daher, er trieb die Wellen immer raſcher vor ſich her, er raſchelte in den Haufen des dürren Seegraſes, er rauſchte durch die Weidenbäume, und jenſeits desalten Dammes ließ er die ſchlanken Gräſer ſich tief neigen und die noch grünen Aehren der Gerſte und des Roggens blinkend dahinwogen. Für die Einheimiſchen war