Druckschrift 
Vergangene Tage : Geschichten / von Edmund Hoefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

dieſem Schloß; denn von einer Scheidung iſt mir nichts bekannt. Und wenn meine Couſine wirklich todt iſt, ſo muß er als Vater oder Herr oder wie Ihr wollt, hier doch noch viel entſchiedener gebieten.

Der Alte war vor ihm ſtehen geblieben, als wollte er die leiſe geſprochenen Worte beſſer hören. Nun ſchüt⸗ telte er mit einem ſpöttiſchen Lächeln wieder den Kopf, und indem er die Spitzen des langen und dicken grauen Bartes langſam bis zur Schläfe emporwirbelte, verſetzte er:Das iſt eben nicht wahr, Vetter. Der Oberſt iſt bisher ſo wenig Herr auf Landsburg als Ihr und ich, ja weniger. Es gibt hier keinen Herrn, ſondern nur eine Herrin, und die iſt, ſeit meine arme liebe Couſine Todes verblichen, ihre Tochter, Elſe leider muß ich hinzu⸗ fügen: von Hagen. Der Teufel hole den Namen und den Oberſten obendrein, ob er ſchon ihr Vater iſt, ſetzte er heftig hinzu und trat mit dem Fuß hart nieder, und zum Erſtenmal im Laufe der ganzen Unterhaltung kamen ſeine Worte diesmal augenſcheinlich grade und offen aus dem Herzen.*

Es iſt ein Unglück, fuhr er fort und wandte ſich wieder zum Gange durch's Zimmer,daß Ihr unſere Couſine nicht mehr geſprochen habt. Aber es läßt ſich noch gut machen, hoffe ich. Es trifft ſich gut genug mit Eurem jetzigen Kommen.