Druckschrift 
Vergangene Tage : Geschichten / von Edmund Hoefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

habe leider ſchon lange lernen müſſen, ſelbſtſtändig zu ſein und unſer Haus zu vertreten. Meine Mutter war viele Jahre lang krank und mein Vater niemals hier. Laßt uns denn in der Stellung bleiben, die wir haben. Ich will gern Alles thun, was mein Vater wünſcht, ler⸗ nen und mich bilden, wie die Welt es von uns verlangt; Ihr werdet nie über mich zu klagen haben. Da, ſetzte ſie hinzu und hielt der Andern ihre kleine Hand hin nicht wahr, Mamſell Sophie, wir ſind gute Freunde? Das, wenn auch nicht mehr friſche, doch immer noch ſehr ſchöne Geſicht Sophiens war während dieſer Worte mehr als einmal von aufſteigendem Zorn und Hohn ent⸗ ſtellt worden, doch hatte ſie bisher kein Wort erwidert, und ſchwieg auch jetzt noch eine ganze Weile, indem ſie mit gekreuzten Armen vor der jungen Herrin ſtand und keine Miene machte, die dargebotene Hand zu ergreifen. So, ſagte ſie endlich mit einem kurzen verächtli⸗ chen Lächeln,alſo deßwegen glaubt Ihr, hätte Hagen mich hergeſchickt nur um die gehorſame Dienerin eines eingebildeten Kindes zu ſein? Ich will Euch das Rich⸗ tige ſagen, mein Püppchen! Ich ſoll hier den Menſchen zeigen auch Euch, Fräulein von Hagen! daß ihr ei⸗ nen Herrn habt, dem ihr widerrechtlich entfremdet ſeid; daß ihr nicht länger nach eigenem Willen oder nach den

Einfällen eines kranken und eigenſinnigen Kopfes leben