15
leuchters, der in der Mitte der bunten Sammetdecke ſtand. Dann erhob ſie ihre großen Augen zu dem Ge⸗ ſicht der Mamſell; aber obgleich der Blick derſelben jetzt feſt und ernſt war, ſo lag doch zugleich ein ſo ſchwermü⸗ thiger Ausdruck darin, und die Züge des jungen Geſichts zeigten ſich ſo weich, daß ein unparteiiſcher Beobachter keinen Augenblick über das in Zweifel ſein konnte, was ſich in dieſem Herzen regte. Da war keine Spur von Härte und Hochmuth; ſanft und weich ſchien ſie dazu be⸗ ſtimmt, ſich einem feſten Willen, einer wahren Kraft an⸗ zuſchmiegen, und nur mit Trauer, möchte man ſagen, hatte ſie ſich zu der Strenge, zu dem Widerſtand erho⸗ ben, den die Verhältniſſe und ihre Stellung ihr auf⸗ zwangen.
„Laßt uns offen reden,“ ſprach ſie nun, da die An⸗ dere ihre Frage unbeantwortet ließ, mit milder, ruhiger Stimme.„Mein Vater wünſchte, daß ich hier im Schloſſe nicht ſo ganz allein bliebe, wie ich es nach dem Tode meiner theueren Mutter doch war, und hat Euch veranlaßt, meine Einſamkeit zu theilen. Für Jemand, der wie Ihr an das Leben in der Welt gewöhnt iſt, muß das gewiß ein Opfer ſein; ich habe mir daher alle Mühe ge⸗ geben, es Euch durch Freundlichkeit leicht zu machen. Aber Ihr habt unſere Stellung von Anfang an mißver⸗ ſtanden. Ich bin noch jung, liebe Mamſell, aber ich


