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„So wollt die Güte haben, mich zu nennen, wie ich heiße— oder wie es hier im Hauſe Sitte iſt,“ erwi⸗ derte ſie und bemühte ſich auch jetzt die Kälte des Tons feſtzuhalten; allein ihr)e Stimme bebte vor Aufregung, und hätte die Frau näher geſtanden, ſo würde ſie geſehen haben, wie auch die feinen Lippen zuckten und der Bu⸗ ſen unter dem ſchwarzen, enganliegenden Kleide ſich zit⸗ ternd hob.
Aber ſie ſah das Alles nicht, denn der Schimmer des armſeligen Lichtes ließ kaum die Umriſſe der noch immer in der Fenſterniſche Stehenden erkennen; ſie hörte nicht einmal das Beben der Stimme heraus, denn ſie war gar zu überraſcht und erregt durch dieſen unerwar⸗ teten, plötzlich ſo entſchieden auftretenden Widerſtand. Sie ſetzte den Leuchter auf den Tiſch vor dem Kanapee, ließ jedoch die Hand daran, als bedürfe ſie einer Stütze, obgleich ihre große, volle Geſtalt von Kraft zu ſtrotzen ſchien, und mit finſterer Stirn und zuckenden Lippen ſtieß ſie hervor:„Fräulein von Hagen!“
„So heiße ich,“ entgegnete die junge Dame mit in⸗ zwiſchen wiedergewonnener Faſſung;„und nun, Mam⸗ ſell Wilke, was wünſcht Ihr von mir?“
Mitt dieſen Worten trat ſie aus der Fenſterniſche hervor, ging zum Tiſch und entzündete am Licht der An⸗ dern die drei Kerzen eines prachtvollen ſilbernen Arm⸗
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