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Er war jetzt ſo nahe an den Abhang der Landſpitze gelangt, daß ſie von ihrem Standpunkte aus nur noch ſeinen Kopf erblickte, als nun unter den Fenſtern auch eine Stimme laut ward und vernehmbar fragte:„Halt und ſteht!— Wer iſt da?— Was habt Ihr da herum⸗ zuſchleichen?“—
Die Antwort des Wanderers verſtand ſie nicht, wohl aber die folgenden Worte des Anrufenden:„Gut,
ſo geht da herum bis an die Pforte; ich will öffnen. Ihr könnt nachher mit dem Herrn Rittmeiſter reden.“—
Der Fremde folgte der Weiſung und entfernte ſich, die Kette des Hundes raſſelte nicht mehr, und das junge Mädchen ließ den Kopf in die Hand ſinken, und ihre Au⸗ gen ſchauten wieder mit demſelben träumeriſchen Blick hinaus, der vorhin ſo lange und ſo theilnahmlos auf der weiten öden Fläche geruht hatte.
So ſaß ſie fort und fort. Im Gemach war es ganz dunkel geworden, während die Luft draußen noch von ei⸗ nem lichten Schimmer erfüllt war;z denn der Schnee be⸗ gann in immer dichteren Flocken zu fallen, bis er ſich wie ein weißer Schleier vor die Ferne zog. Aber die Kleine bemerkte es nicht oder achtete nicht darauf; ſie beachtete es auch nicht, daß jetzt zum Erſtenmal durch die tiefe lautloſe Stille des Hauſes ein leiſes Geräuſch wie von ſich nähernden, leicht auftretenden Schritten vernehmbar
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