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des hohen Zimmers war es bereits nächtlich dunkel, aber das Mädchen blieb noch immer unbeweglich, und noch immer regte ſich weder im weitläufigen Gebäude noch im Gemache ein einziger Laut. Nur im großen Ofen praſſelte dumpf das Feuer und zuweilen klang es wie ein leiſer, tiefer Seufzer vorüber. Das war der Wind, der, wie immer an dieſen Küſten, auf der Wache ſtand, die Mauern umzog, an die Fenſter faßte, durch alle Gänge und Treppen huſchte und getreulich nachſchaute, ob auch Alles feſt und ſicher ſei.
Da hob das blonde Kind plötzlich und ſchnell das Köpfchen vom Arm und ſah mit überraſchten Blicken hin⸗ aus auf die Eisfläche, wo aus den Nebelſchleiern eine dunkle Geſtalt hervortauchte und ſich raſch dem Schloß⸗ hügel näherte. Und zugleich ward draußen die tiefe zornige Stimme eines großen Hundes laut, der den Wanderer gleichfalls bemerkt haben mochte und nun mit Ungeſtüm an ſeiner Kette zerrte. Aber der Fremde ließ ſich dadurch nicht zurückſchrecken; vielmehr näherte er ſich mit raſchen Schritten und ging ſo unbekümmert vorwärts, als kehre er von einer Jagdpartie ins eigene Haus zurück; denn das Mädchen konnte trotz der Dämmerung noch bemer⸗ ken, daß ein Jagdranzen an ſeiner linken Seite und eine Flinte an ihrem Riemen von ſeinen Schultern herabhing.
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