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Vergangene Tage : Geschichten / von Edmund Hoefer
Entstehung
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daß man ſelbſt an hellen Tagen von dem rückwärts lie⸗ genden Strande hier nichts bemerken konnte als den dun⸗ klen Waldſaum, der ſich dort entlang zog. Der Wald ſtreckte ſich auch auf die Landzunge hinauf und erfüllte ſie faſt bis an die äußerſte Spitze mit hochragenden Stäm⸗ men und dicht verwachſenen Büſchen, und die paar Fel⸗ der und Gärten, die dort frei blieben, das Schloß und einige Nebengebäude, lagen abgeſchloſſen und einſam wie auf einer Inſel, fernab von aller Welt, und es war, als ob nicht ein Laut vom Leben und Treiben der Menſchen drüben im weiten großen Lande herüber dringen könnte. Wie die Stille eines Zaubers lag es auf Feldern und Gärten, auf den dunklen Gebäuden; wie die Stille eines Zaubers breitete es ſich durch das gewölbte Thurm⸗ zimmer und über das junge Mädchen, welches einſam am Fenſter ſaß. Sie hatte den Arm auf das Geſims gelegt und den Kopf wie ein müdes Kind darauf geſenkt; die blonden Locken waren hinter das kleine Ohr zurück⸗ geſtrichen, und ihr Blick ging über den Fenſterrand träu⸗ meriſch hinaus in die graue Weite, oder verfolgte ebenſo ſtill eine der Schneeflocken, die hie und da leiſe hernieder⸗ ſanken. So ſaß ſie dort lautlos und ohne Regung, ſtill in der Stille, als wäre auch ſ vom Zauber befangen und gebannt in dieſe Ruhe. Und draußen dämmerte der Abend, in der Tiefe