Nun laßt uns ſingen das Abendlied. 241
ſchön wiederfinde, um deſſen Verluſt ich hier ſo lange ge⸗ trauert. Singe, ſinge, mein fröhlicher Waldvogel!
„Empfehlt der Herzogin meine alten Diener,“ ſprach ſie nach einer Weile auf's neue.„Deine Tante nimmſt du wohl zu dir; ſie iſt alt und gebrechlich und braucht Pflege und Liebe. Du haſt dich nicht mehr vor ihr zu fürchten, ſie hat dich doch von Herzen lieb und iſt ſtolz auf das „Sortt, das du gemacht, wird dich auch nicht mehr allzuviel mit dem Franzöſiſchen quälen, das ſie jetzt haßt. Nicht wahr, Hohenkron?“
Eva lachte durch ihre Thränen. Die alte Zeit ſtand lebendig vor ihren Augen, mit all ihrer Thorheit und Schalkhaftigkeit, mit all ihrer Luſt und all ihrem Glück.
Und in der Nacht, als die Fürſtin mit einem Segens⸗ wort für ſie und ihr Glück geſtorben war, und Eva an den „Gatten geſchmiegt das Sterbezimmer verlaſſen hatte und auf die Terraſſe hinaus kam, da trat ihr wiederum die alte Zeit entgegen. Sie ſtützte den Arm auf einen der Stein⸗ pfeiler der Brüſtung, und legte den Kopf in die Hand, während ſie die andere Hubert gegeben hatte, der neben ihr lehnte und ſchweigend und ernſt ihren Schmerz ge⸗ währen ließ.
Nun ſah ſie hinaus, wie ſie's vordem auch von hier aus ſo oft gethan, und ſie fand es alles wieder, wie damals — das Schloß mit ſeiner ruhigen, dunklen Maſſe, der Platz
davor, auf dem die Fontaine murmelte, die Wälder rings in Hoefer, Lorelei. 16


