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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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242 Nun laßt uns ſingen das Abendlied.

ihrer tiefen Stille, die dunkle Allee, die ſich ſo geheimnißvoll vor ihr öffnete, den Himmel droben mit ſeinen Sternen, und endlich den Mond, der dort hinten grade aus den Baumwipfeln hervortrat und lange, weiche Lichter in all den Schatten zu ſtreuen begann. Ja, es war alles, alles wieder da!

Eva's Thränen floſſen nicht mehr. Ein ſüßes Lächeln überflog das ſchöne blaſſe Geſicht. Und plötzlich klang von bren Lhpen voll und rein das alte Lied durch die Stille:

Es waren zwei Königskinder, Die hatten einander ſo lieb,

Sie konnten beiſammen nicht kommen Das Waſſer war gar zu tief.

Hubert zog die geliebte Frau leiſe auf und lehnte ihren Kopf an ſein übervolles Herz. Sie drückte ſeine Hand feſt in die ihre und ſang weiter und weiter. Und rings lauſchten die Nacht und der Wald, das Schloß und die traurigen Menſchen in ihm. Sie alle wußten's, daß ſie die Stimme

hier zum letztenmale hörten. 4