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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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E

240 Nun laßt uns ſingen das Abendlied.

Eine Stunde ſpäter ſtand auch Hubert neben dem Lager der Sterbenden, welche beide Hände der knieenden Eva in den ihren hielt und die Augen immer von neuem auf dem Geſicht und der Geſtalt ihres Lieblings ruhen ließ.

Gott ſegne dich, Eva, mein liebſtes Kind, ſprach ſie langſam und leiſe, aber ihre Stimme verkündete auch jetzt noch die volle Zärtlichkeit des Herzens,Gott ſegne dich, Eva, daß du mich noch einmal dein liebes Geſicht ſehn und deine Stimme hören ließeſt. Ich ſehe nun und weiß es, daß es dir wohl geht, daß du glücklich biſt, du mein lieber Wildfang. Wie ſollteſt du's auch nicht an der Seite deines Gatten! Ich weiß, er macht ſeinem Vater Ehre, dem er äußerlich ſo ſehr gleicht. Mir iſt's faſt, Hubert, als ſähe ich in Ihnen ſchon hier den alten theuren Freund wieder, den ich wirklich doch erſt drü⸗ ben begrüßen ſoll. So gleichen Sie ihm! Und, Hubert, ſeien Sie auch in Ihrem Herzen immer wie er, feſt wie Stahl, rein wie Gold, treu bis in den Tod. Halten Sie mir meinen kleinen Wildfang hier recht warm und gut

Hoheit! unterbrach Eva ſchluchzend ihre Rede.

Hoheit? Nein, Mütterchen ſollſt du ſagen, ſprach die alte Frau freundlich, und ihr Auge ruhte noch einmal mit dem alten unwiderſtehlichen, bezaubernden Lächeln auf der Knieenden.Mütterchen! So fühlte und fühl' ich für dich, Kind! Und du mußt nicht weinen, Eva. Mein Weg führt mich ja dahin, wo ich endlich das Glück ſo rein und