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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Nun laßt uns ſingen das Abendlied. 239

das Pferd an, daß ſie raſch auf den Platz und vor das Eingangsportal gelangten, da trat ihnen der Förſter ent⸗ gegen.

Waldinger da ſind wir. Um Gott, was gibt's? Ihr ſeht ſo ernſt aus! rief die ſchöne Frau und ſprang, ohne eine Hülfe abzuwarten, raſch aus dem Sattel und bot dem alten Freunde mit der ganzen ungeſtümen Herzlichkeit ihrer Mädchenjahre beide Hände hin.

Der Förſter hielt ſie feſt und ſah einen Augenblick mit heller Freude in die ihm ſo wohlbekannten braunen Augen, auf die noch immer ſo friſchen und reizenden Züge des lieb⸗ lichen Geſichts, bevor er gedämpft entgegnete:grüße Sie Gott, gnädige Frau! Wir haben ſehnſüchtig nach Ihnen ausgeſehn, und Ihre Hoheit fragt viel nach Ihnen. Sie iſt recht krank die Hoheit.

Recht krank? Ernſtlich? rief ſie wieder.

Und ohne eine Antwort abzuwarten, flog ſie in die Halle hinein, an ein paar Dienern vorbei, die Treppen hinauf, während Waldinger leiſe zu Hubert ſagte:es iſt keine Hoffnung, und der Arzt glaubte nicht, daß ſie den heutigen Abend erleben werde. Aber ſie hat ruhig geſagt: zich ſterbe noch nicht; ich muß doch vorher noch einmal die Eva ſehn. Sie kommt ja! Entſchuldigen Sie meine Worte, Herr Oberſt, ſetzte der Alte hinzu,ſo hat ſie aber geſprochen. Ihr Herz hängt ſehr an Ihrer Frau Gemahlin.