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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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238 Nun laßt uns ſingen das Abendlied.

inzwiſchen wohl nach dem Hindenſtein kommen können, aber ſie wollte ſich nicht ohne den Gatten zeigen, und überdies gab es allerlei Zuſtände, die wir zur Beruhigung von Fräu⸗ lein von Hohenkron und allen Ihresgleichen nicht weiter bezeichnen wollen, als daß eine Frau in ihnen nicht gern eine längere und beſchwerliche Reiſe zu unternehmen pflegt. Aber jetzt im Jahr 1814 erwartete man ſie. Die Eva war ſchon mit dem Gatten in Frankreich.

Es war am Abend eines blendend klaren, heißen Juli⸗ tags, da ritten wieder ein Herr und eine Dame, ſo ſchnell die Pferde vorwärts konnten, die Waldſteige herauf, bogen in die Allee ein und ſahen die Gebäude des Hindenſtein vor ſich im tiefen Schatten und ebenſo tiefer Ruhe. Es war darin eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn die Sonne war ſchon hinter den Wäldern, und auf dem Platz vor dem Schloſſe hatte niemals viel Leben und Bewegung geherrſcht, allein das ſich nähernde Paar ſchien darüber anders zu denken. Denn die Dame hielt, nach einem hellen Freuden⸗ ruf bei dem erſten Anblick, das Pferd an und ſagte mit plötzlich ernſten Augen und im beſorgten Ton:Hubert es iſt niemand da, und ſie wiſſen's doch, daß wir kommen!

Und der Angeredete verſetzte kopfſchüttelnd:ich verſtehe Waldinger und Raben nicht einer hätte uns ſchon ent⸗ gegenkommen können.

Laß uns zureiten, ſprach die Dame haſtig und trieb