Nun laßt uns ſingen das Abendlied. 237
Zimmer trat, einen Brief in der Hand, und mit glühenden Wangen und durch Thränen lächelnden Augen ſagte:„Müt⸗ terchen— ſo nannte ſie ſeit einiger Zeit die alte geliebte und liebevolle Frau— ich muß fort. Der Hubert hat den linken Arm verloren und iſt auch noch weiter verwundet. Er iſt ſchon in England und in der Beſſerung, aber es mag lange dauern, bis er die Waffen wieder aufnehmen kann. Vielleicht geſchieht's nie. In dem Briefe ruft er mich nicht— den hat ein Anderer geſchrieben, aber in ſeinem Herzen thut er's. Ich muß fort, Mütterchen, ich muß zu ihm! Da gibt's kein Säumen, wie ſchwer mir auch die Trennung von Ihnen wird.“
Und zum Entſetzen der Hohenkron entgegnete Prinzeß Antoinette:„du haſt recht, mein Kind. Du mußt hinüber, und von uns iſt dabei keine Rede. Allein ſollſt du aber nicht hingehen; Raben wird dich begleiten. Ich habe mit ihm ſchon über einen ſolchen Fall geredet.“
Der bald darauf folgende Abſchied von ihrem Liebling hatte die hohe Frau tiefer ergriffen als alles, was ſie ſeit ihrer Jugendzeit erlebt, und erſt die Nachrichten, die der zurück⸗ kehrende Raben brachte, und Eva's ſpätere glückſelige Briefe konnten nach und nach ihre tiefe Wehmuth mildern.
Es ging Eva auch ſo gar wohl! Hubert war zwar wieder in den Krieg gezogen, aber auch er hatte Glück und machte Carriere, zuerſt bei den Engländern drüben und ſeit 1813 wieder in dem Heere ſeiner Heimat. Die Eva hätte


