236 Nun laßt uns ſingen das Abendlied.
wie ſonſt, und Eva überließ ſich anſcheinend der vollen alten Heiterkeit, dem unverkümmerten Frohſinn der frühern Zeit. Sie neckte und lachte, ſie ſchwärmte umher und band fröhlich mit jedem an, der ihr in den Weg kam; ſie ſtritt mit der Tante die alten Kämpfe, trug der Fürſtin ihr ganzes Herz entgegen und machte ſich alle Welt zu eigen. Und Abend für Abend faſt zogen die Klänge ihrer Zauber⸗ lieder durch Park und Wald, und wer ſie vernahm, fand Troſt in ihnen, oder Freude und Erhebung, und die Fürſtin in ihrem einſamen Gemach, und der alte ernſte Waldinger draußen an der Mauer, und wer ſonſt dort im Schloß oder im Walde lauſchte— ſie hatten alle den einen Wunſch im Herzen: Gott ſegne das liebe Menſchenkind!
Es kamen auch Unterbrechungen der einförmigen Le⸗ bensweiſe— die Briefe Huberts und Eva's Antworten. Es gab darin manches Ernſte und Schwere; Hubert kämpfte in Spanien unter Englands Fahnen wie ſo viele unſerer Landsleute, und lernte die Wechſelfälle des Kriegs gründlich kennen. Es gab Nachrichten, die das Herz ſchwer machten, und Pauſen, die es faſt verzweifeln ließen. Allein Eva verlor weder ihren Muth noch ihre Heiterkeit, und ihre Briefe trugen dieſe Stimmung getreulich zu dem Geliebten hinüber, und der Mann da drüben, und die alte Frau— die Gebieterin— hier daheim umfaßten das wunderbare Geſchöpf mit immer innigerer Liebe.
Und da kam der Tag, an dem Eva zu der Fürſtin ins


