226 Es wohnet Lieb' bei Liebe.
„Leb' wohl,“ ſprach ſie endlich und hielt Huberts beide Hände feſt in den ihren, und auch ihre Augen hingen mit tiefem leuchtendem Blick an den ſeinen.„Leb' wohl, Hu⸗ bert, und Gott ſei mit dir immerdar, wie deiner Eva Liebe. Wüßt' ich dich nur erſt aus dieſem Bezirk, dann will ich keinen Augenblick mehr ſorgen. Die Ferne fürcht' ich nicht, mit der weiß ich Beſcheid und will ſchon mit ihr fertig werden.“
„Gott laſſe dir deine Fröhlichkeit und deinen Muth,“ ſagte er gepreßt,„du wirſt ſie nöthig haben, denn die Zeit der Trennung dehnt ſich weit vor uns aus— wer kann ſie ermeſſen und berechnen? Aber Eins ſage ich dir. Jetzt darf ich dich nicht in die Unſicherheit meiner nächſten Zu⸗ kunft hinausreißen, allein lange kann ich nicht warten, mich nicht ewig nach dir ſehnen. Wenn ich wieder feſt ſtehe, oder wenn eine Stunde kommt, wo ich nicht mehr zu han⸗ deln vermag und in feiger Ruhe weilen muß, wo ich nicht mehr zu leben weiß ohne dich—“ 4
„Da rufe mich und ich komme,“ unterbrach ſie ihn feſt und ſchlang die Arme wieder um ſeinen Hals, als wollte ſie ihn niemals von ſich laſſen.—
Als ſie dann, nach der Rückkehr in den Salon, den letzten Händedruck und Blick getauſcht und wirklich ge⸗ ſchieden waren, ging Eva in ihr Zimmer hinüber und ſetzte ſich, wie auch ſonſt zu dieſer Stunde, an das offene Fenſter
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