Druckschrift 
Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Es wohnet Lieb' bei Liebe. 225

tretet ein und macht euch nicht gar zu weich. Es wird alles gut gehn, denn Gott hat euch lieb.

Und als ſie die Thür geſchloſſen und zu den Andern zurückgekehrt war, ſagte ſie gutmüthig:haben Sie Nach⸗ ſicht, Hohenkron. Sie ſollen es beide nachholen, was ſie heut verſäumen, wenn ſie weniger mit einander zu thun haben. Sie können bei dem Vormund unſerer Kleinen immer ein gutes Wort für dieſe Verbindung einlegen Hubert verdient's, und ich, Ihre alte Freundin, bürge für ihn.

Wie konfuſ' die gute Hofdame auch durch alle uner⸗ hörten Vorgänge des Abends geworden war, die letzten Worte ihrer Prinzeſſin durchleuchteten ihr Herz und lichte⸗ ten ihren Kopf. Sie küßte die Hand der Gebieterin.

Und drinnen im Kabinet hing Eva an des Geliebten Halſe, und was ſie dem erſchütterten Mann in dieſer Stunde gab, was ſie ihm ins Herz küßte, was ſie zu ihm flüſterte unter Lachen und Weinen, was ſie vor ihm ſich erſchließen ließ, wie es noch kein Anderer geſehn und wie ſie ſelber es nicht in ſich gekannt, das machte ihn traurig, denn er mußte ja von ihr ſcheiden! aber es machte ihn auch wieder ſo glückſelig, ſo unendlich reich, denn er wußte ſie ſein eigen über alle Zeit und Ferne, und die Zauberblume, die alle dieſe Schätze erſchloß und beherrſchte, die Liebe nahm er mit ſich hinaus, und ſie blieb ihm treu, wohin

er ging und wo er weilte. Hoefer, Lorelei. 15