Es wohnet Lieb' bei Liebe. 217
Armuth, weil ich nur drei Vornamen und keine Manieren habe und ganz plebejiſche Lieder ſinge. Und ſehn Sie,“ fuhr ſie leiſer fort,„zu dem allen bin ich noch ein ver⸗ wöhntes Geſchöpf. Ich brauche viel Liebe— eine ganze!— und kann nicht hart liegen— es thut mir gleich weh— und habe noch obendrein die Prätenſion, nicht wie andere Menſchenkinder nur auf den Händen, ſondern in einem warmen, treuen Herzen durch's Leben getragen zu werden, das ganz mein eigen, das nichts neben mir hat in ſeinem Grunde.— Erſchrecken Sie nicht, Hubert? Bin ich der Kamerad, der Ihnen auf der Flucht und in der Ruhe ge⸗ fallen und genügen könnte?“
„Eva!“ ſagte er tief aus der Bruſt heraus, und es klang in ſeiner Stimme etwas wie eine leiſe Trauer:„zwei⸗ feln Sie an mir und meiner Liebe?“
Da machte ſie ſich raſch von ihm los, und indem ſie ſeinen Kopf zwiſchen ihre beiden Hände faßte und zu ſich niederzog, ſo daß ſeine Stirn faſt die ihre berührte, ſah ſie ihm mit der ganzen Macht ihrer hellen braunen Augen in die ſeinen und ſagte:„kannſt du treu ſein, Hubert, ganz treu?“
Er zog ſie feſt an ſich, ohne ein Wort, umd ſein Aug' nur beantwortete ihre Frage.
„Haſt du mich denn ſo ſehr lieb, Hubert? flüſterte ſie.
Er richtete ſich auf und preßte ihren Kopf an ſeine Bruſt.„Das iſt nicht genug,“ entgegnete er, und ſeine
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