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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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212 Es wohnet Lieb' bei Liebe.

die alte Fröhlichkeit ihr Weſen, und ihre Lippen ſummten wie ſonſt wieder ein munteres Lied.

Sie dachte aber doch wenig an ihren Weg und ſah ſich nicht viel um, denn ſie hätte ſonſt den Jägerburſchen erblicken müſſen, der neben der alten Buche ſtand und ſie nun, zu ihrem nicht geringen Erſchrecken, mit einem plötz⸗ lichen:grüß Gott, gnädiges Fräulein! anredete.

Sie fuhr auf und zurück, allein im nächſten Augen⸗ blick war ſie ſchon wieder gefaßt und ſagte gutgelaunt: nehmt Euch in acht, Monſieur Franz! Dergleichen lieben Damen von ihren Verehrern nicht. Ei, wie iſt's doch mög⸗ lich, daß ich Euch großes Menſchenkind gar nicht bemerkte!

Ja, ja, entgegnete der Burſche luſtig,man ſieht oft manches, was man gar nicht da geglaubt. Ich meinte den alten Park gut genug zu kennen bis auf's letzte Katzen⸗ loch, aber wo das gnädige Fräulein durch die Hecke kam, hab' ich bisher keine Lücke gewußt.

So ſo, meinte ſie lachend, denn das Geſicht des Burſchen zeigte ein ſeltſam Gemiſch von Befangenheit und luſtiger Schlauheit,alſo auf Spionage ſeid Ihr aus, Mei⸗ ſter Franz? Drum find' ich auch dieſe bequemſte Seele ſo weit von ihrer theuren Ruhe.

O, in Ihrem Dienſt bin ich nicht faul, Fräulein, ſagte er treuherzig.

In meinem Dienſt? wiederholte ſie einigermaßen verwundert.