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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Es wohnet Lieb' bei Liebe. 211

Allein das alles ließ den jungen Mann wohl vorſichtig bleiben und die Augen offen halten, allein ganz ins Zimmer vermochte es ihn nicht zu bannen. Das ſah die Fürſtin ſo gut wie Waldinger ein. Denn dieſe letzten Auguſttage waren von ungewöhnlicher Glut und gefolgt von ſo warmen Nächten, daß ſelbſt in den ſchattigen Zimmern des Schloſſes der Aufenthalt faſt unerträglich wurde.

Eva empfand das nicht weniger ſchwer als die Andern, und am heutigen Nachmittag entwich ſie vor der Hitze, wie wir ſie im Anfang unſerer Erzählung den Briefen der Ma⸗ dame de Sevigné entfliehen ſahen, wiederum in den Wald und eilte dem Lieblingsplatz am Brunnen zu, wo ſie ſeither nicht wieder geweſen. Heut ging ſie nicht in den kleinen Pavillon hinein, es war ſchon ſpät ſondern ſtreifte ihn im Vorbeieilen nur mit einem träumeriſch lächelnden Blick, und über ihre Wangen flog ein lichtes Roth. Erin⸗ nerte ſie ſich der Erzählung der Fürſtin von jenen glück⸗ ſeligen Stunden, in denen ſie und Huberts Vater hier ein⸗ ander gefunden, oder gedachte ſie ihrer eigenen Liebe und deſſen, dem ſie gehörte, und der nun nicht an ihrer Seite war, ſondern dahinten in dem ſchwülen Schloß, dem ſie entflohen? Sagte davon der Seufzer, der ihren Buſen ſchwellte? Und ſchüttelte ſie darum das Köpfchen, während ſie durch den Tannenhain dem Wall und ihrem gewöhn⸗ lichen Schleichwege zuſchritt? Aber das alles ging ſchnell vorbei, und als ſie erſt drüben im Walde war, durchdrang