210 Es wohnet Lieb' bei Liebe.
benützt wurde, wenn er aus ſeinem Zimmerchen ſchneller zu den Gemächern der Fürſtin gelangen wollte; und wurde er ja von jemand geſehn, ſo konnte er in der Dämmerung leicht für einen der Hausbewohner gelten oder ſah ſich auch faſt ehrfurchtsvoll vermieden, da Joſef ſeinen Kameraden Gott weiß was über dieſen Gaſt und Schützling der Prin⸗ zeſſin geſagt hatte. Verräther gab es aber unter dieſen alten Leuten nicht, welche ſeit vielen Jahren auf dem Hin⸗ denſtein gedient hatten, und Felix, der Reitknecht, ſtrapa⸗ zirte ſogar ziemlich ſchonungslos die Beine ſeiner Pferde, um das Revier zu durchſtreifen und auf den zu vigiliren, der, wie er ſagte,„ſeinem Fräulein“ und ihrem Erkorenen nicht wohl wollte.
Die Fürſtin und Waldinger, welche von dieſen Aus⸗ flügen natürlich erfuhren, mahnten trotz ihrer anſcheinenden Gefahrloſigkeit doch zur Vorſicht. Ein Revier wie das Hindenſteiner, meinten beide, ſei vor jemand, der hinein wolle und ſich in acht zu nehmen wiſſe, gar nicht abzu⸗ ſperren, zumal vor Bühel nicht, welcher von ſeiner frühern Dienſtzeit als Page her alle Wege und Pfade vermuthlich auf das genaueſte kennen werde. Er könne ſich dem Park von mehr als einer Seite nähern und werde auch wohl Wege wiſſen, die hineinführten. Und Hubert ſolle nicht vergeſſen, daß es nur die Feſtſtellung ſeiner Anweſenheit bedürfe, um wieder eine offene Verfolgung hervorzurufen und die weitere Flucht noch weniger möglich zu machen.


