Es wohnet Lieb' bei Liebe. 209
flüchtig geweſen. Aber ſelbſt dabei hatte er aus dem gänz⸗ lich veränderten Weſen der Geliebten, die ihm unbefangen und in goldigſter neckiſcher Laune jetzt wie damals am „Brunnen“ erſchien, mühelos abnehmen können, daß von ihr wenigſtens jede Verſtimmung gegen ihn gewichen. Er hatte das auch aus ihrem Geſange erfahren, welcher nun Abend für Abend wieder durch die ſtille Luft zu ihm in ſein einſames Zimmer drang und ſein Herz immer ſehnſuchts⸗ voller und heißer für ſie ſchlagen ließ. Aber je feſter er ſich von dem Zauber umſponnen und durchdrungen fühlte, deſto ruhe⸗ loſer ward er, und deſto qualvoller wurde ihm ſeine Lage. Sollte er ſich, ihr ſo nahe, dennoch ſtets umſonſt nach ihr ſehnen? Sollte er ihr und ſein Glück, wenn es ein ſolches gab, in der Noth und Angſt der Gegenwart verkümmert und erdrückt ſehn, wo nie von Ruhe und Sicherheit, nie von Beſitz die Rede ſein konnte? O, auch um ihretwillen mußte er fort, hinaus, wo ſein Herz frei ſchlug und frei ſeine Kraft ſich regte, wo er, ob auch fern, ſeines Glückes froh werden konnte! Wäre er deſſelben nur erſt ſicher geweſen.
Die gänzliche Ruhe und Abgeſchloſſenheit hatte Hubert nur wenige Tage zu ertragen vermocht, alsdann wagte er hie und da gegen Abend das Haus zu verlaſſen, um wenig⸗ ſtens in den Alleen des Parks friſche Luft zu ſchöpfen. Er konnte ziemlich unbemerkt über eine Treppe hinabgelangen, welche für gewöhnlich nur von dem alten Kammerdiener
Hoefer, Lorelei. 14


