Es wohnet Lieb' bei Liebe. 213
„Freilich. Der Herr Forſtmeiſter iſt drüben beym Alten, 4 und da der Knecht die Nachricht brachte, daß er hier oben ein fremdes Geſicht bemerkt, welches bei ſeinem Anrufen im Buſch verſchwunden ſei, ſo mußt' ich hieher, um aufzupaſſen und für Ihre Ruhe zu ſorgen.“
Sie reichte ihm freundlich die Hand.„Ihr ſeid ein braver Menſch,“ ſprach ſie dabei herzlich.„Und wenn Ihr 3 mich lieb habt, Franz, ſo gebt Ihr gut acht, daß jener ſchlechte Mann da drüben in Breitenſteinbach uns keinen Schaden thut. Ihr wißt, daß er's auf uns, auf Ihre Ho⸗ heit, auf Herrn Hofmann und mich abgeſehen hat.“
„Auf Sie auch, gnädiges Fräulein?“ fragte der Burſche
* raſch.
„Ja, auch auf mich, obſchon ich ihn haſſe und verachte, denn es iſt ein ſchlechter Mann,“ ſagte ſie, die Brauen zu⸗ ſammenziehend.„Doch genug davon,“ fuhr ſie gleich wieder munter fort.„Habt Ihr jemand gefunden?“
„Nein,“ erwiederte er kopfſchüttelnd.„Der Knecht mag ſich auch geirrt und nur einen der Schützen geſehn haben, die hier oft umherlungern. Aber Sie können ruhig 8 ſein, ich paſſe ſchon auf, Fräulein.“
„Herr von Raben iſt bei Waldinger?“ fragte ſie nach einer kleinen Pauſe.„Kommt er auch zum Schloß?“
„Ich denke wohl,“ verſetzte er.„Ich glaube faſt, er iſt um den Herrn da—
„Um— Herrn Hofmann?“ unterbrach ſie ihn raſch.


