34 Ich ſollt' eine Nonne werden.
iſt eine Hoheit und hat ſomit ein Recht, nach ihrem eigenen hohen Willen zu leben, da ſie über der Geſeellſchaft ſteht, der wir angehören. Aber man hat es ſelbſt unſerer hohen Dame verdacht, daß ſie ſich zuweilen dem Herkömmlichen entzogen. Was würde man erſt von dir denken, die du ein ſimples Fräulein biſt und doch deine Lebenszeit nicht grade auf dieſem Schloſſe verbringen ſollſt?“
Die Nichte am Fenſter ſchien dieſe Strafrede mit höch⸗ licher Andacht aufzunehmen, denn ſie regte ſich nicht und gab keinen Laut von ſich. Ihre Augen freilich beobachteten unterdeſſen einen alten Reitknecht, der eben rechts hinter dem Schloſſe hervorkam, langſam über den Platz ritt, vor dem langen Gebäude abſtieg und ſein Pferd in eine der Thüren hineinführte. Das traf ungefähr mit den letzten Worten der Tante zuſammen, und nun erhob die Nichte das
Geſicht, deſſen Ausdruck auf eine gewiſſe innere Befriedi⸗
gung hindeutete, rutſchte vom Fenſterbrett herab und trat zu
der Dame.„Sie haben ganz recht, liebſte Tante,“ ſagt ſie, indem ſie den feinen Arm um die ſteife Taille derſelben
legte und ihre ſchlanke, geſchmeidige Geſtalt an die hohe dürre der Alten ſchmiegte,„die Hoheit hat gewiß die Er⸗ laubniß nach ihrem eigenen Willen zu verfahren, und wir ſind ihre Dienerinnen.“
„Aber meine Nichte, deine Ohren—“


