Ich ſollt' eine Nonne werden. 33
„ich finde überhaupt wenig anderes an dir als was ſich für ein Fräulein umſeres Namens und Standes nicht ſchickt. Ein Glück iſt's, daß wir hier auf dem Hindenſtein entre nous ſind, denn ſonſt müßte ich deinetwegen vor Scham vergehn. Du haſt nichts, du weißt nichts, du thuſt nichts, was ſich ziemt. Wie du da nur wieder ſitzeſt!“
Das junge Mädchen, welches die Zweite in dieſer ſeltſamen Unterhaltung war, ſaß allerdings in einer der tiefen Niſchen auf dem Fenſterbrett und ließ die zierlichen Füßchen taktmäßig, aber leiſe gegen das Täfelwerk ſchlagen, welches die Brüſtung verkleidete, während ſie das Geſicht an die Scheibe gedrückt hatte und eifrig über den Schloß⸗ platz nach einem rückwärts gelegenen, mit mehreren Thüren verſehenen langen Gebäude hinüber ſah. Auf die letzten Worte der Tante wandte ſie für einen, Augenblick den klei⸗ nen dunklen Kopf und ſchaute mit einem unendlich komiſchen Ausdruck auf die einher wandelnde ſteife Geſtalt, gleich darauf jedoch warf ſie das Geſicht wieder dem Fenſter zu und verſetzte:„aber, liebe Tante, iſt nun meine Unkenntniß des Franzöſiſchen wohl werth, daß Sie ſich darüber ſo ſehr erzürnen? Wir bedürfen der Sprache ja nicht. Die Ho⸗ heit ſelber redet ja nur deutſch und kann die fremden Laute nicht hören.“
Die alte Dame hielt für einen Augenblick ihren Schritt an und erhob das friſirte Haupt noch ein wenig höher.
„Mein Kind,“ ſprach ſie im hohen Ton,„unſere Hoheit— . Hoefer, Lorelei. 3


