28 Ich nr 39 weiß nicht wohin.
„Das iſt ſie auch,“ erwiederte der Förſter.„Es iſt neben der Hofdame immer noch eine zweite Dame dage⸗ weſen, jüngere Fräulein meiſtens, die es aber in der Ein⸗ ſamkeit ſelten lange aushielten. Eine ſoll ſogar darüber ganz melancholiſch geworden ſein. Bei dieſer da iſt das freilich nicht zu befürchten. Die iſt wie ein wilder Vogel, der kehrt ſich nicht dran, ob es ſtill um ihn iſt. Er bringt ſelber Lärm genug in's Revier. So iſt das Fräulein.“
„Singt ſie oft ſo?“ fragte Hofmann weiter.„Ich habe große Sängerinnen gehört, aber nie eine ſchönere, ergreifen⸗ dere Stimme.“
„Ja ja,'s iſt wahr,“ ſtimmte der Förſter zu.„Es hat auch mich zuerſt mächtig gepackt, und noch jetzt gehe ich Abends zuweilen eigens darum in die Nähe. Auch meine Burſchen ſind dann kaum daheim zu halten. Sie ſingt faſt nur Abends, oder Nachts, wenn die Hoheit zur Ruh gegangen und ihr Dienſt zu Ende. Da ſetzt ſie ſich in ihr offenes Fenſter— es ſieht von drunten und zumal beim Mondſchein ſchier grauslich aus, ſag' ich Euch— und ſingt bald länger, bald kürzer. Und immer ſind's traurige Lieder wie das geſtrige.— Das iſt überhaupt ihr Leiblied, ich hört' es ſchon oft.— Und es iſt doch ſonſt ein ſo luſti⸗ ges und keckes Dingelchen, das Fräulein!“
„Ja ja,“ ſprach Hofmann nach einer Weile und ſah dabei gedankenvoll vor ſich hin,„der alte Sang hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, einen tiefern als ich be⸗


