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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Ich fahr' und weiß nicht wohin. 27

So hab' ich mir ſagen laſſen, ich aber traf es, wie ich erwähnt, und es iſt ſeitdem ungefähr ſo geblieben. Ver⸗ kehr nach außen iſt nicht erlaubt, findet ſich aber auch nicht, da von den Jugendbekannten der Hoheit wohl nur noch wenige am Leben ſein mögen; ſie muß wohl ſchon in den Siebzigen ſein, und ihre Umgebung iſt auch nicht mehr jung. Fort darf ſie nicht, im Uebrigen aber genießt ſie eine anſtändige Freiheit und kann im Revier umherfahren oder reiten, wie ſie will. Sie thut's aber ſo gut wie nie, und wenn ich nicht den Park in Stand zu halten und die Lieferung für ihre Tafel hätte, und dabei zuweilen hinauf käme, könnten Monden vergehen, ohne daß ich etwas von ihr oder ihrem Hoſſtaat zu ſehen kriegte.

Der Fremde hatte dieſem Bericht ein aufmerkſames Ohr geliehen, und als der Förſter jetzt ſchwieg, ſagte er: das iſt alles ſeltſam genug, Herr Waldinger. Hätte ich doch nicht gedacht, daß es in einem der deutſchen Fürſten⸗ häuſer jetzt noch ſolche Myſterien und Reſte früherer Härte geben würde, wie man ſie ſonſt nur in der Geſchichte vergangener Jahrhunderte findet. Es iſt ſchade, daß man nicht hinein darf; ich liebe dieſe alten Parks und Schlöſſer mit der Einrichtung früherer Tage, und hier hätte man auch noch ein Stück Leben von damals dazu. Ihr nann⸗ tet vorhin aber alle Bewohner alt, fuhr er fort;die Sängerin jedoch, die mich geſtern Abend an's Thor lockte, muß ihrer Stimme nach noch jung ſein?