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Ich fahr' und weiß nicht wohin.
Rococoſtil der Reiſende bei dem hellen Mondlicht und der geringen Entfernung deutlich genug bemerken konnte. Er ſah's, daß mächtige Pfeiler vor dem Erdgeſchoß einen tiefen Bogengang bildeten und eine Art von Terraſſe trugen, welche droben den ganzen Hauptbau zu umgeben ſchien. Da hinauf führten vom freien Platze rechts ein paar an⸗
muthig geſchwungene Freitreppen, während links, an der
Rückſeite des Schloſſes, ein einfacher gebauter Flügel vor⸗ ſprang und bis an die hier dicht herantretenden Waldbäume
reichte. Es war nahe und hell genug, um an den Pfeilern
vor dem Erdgeſchoß ſtolze Hirſchgeweihe angebracht zu ſehn. Aber ſo viel der Reiſende auch ſpähte, der ganze Bau war ſtill, in keinem Fenſter zeigte ſich ein Licht, von Menſchen oder Thieren hörte man keinen Laut, und auch die Sängerin mußte ſich zurückgezogen haben. Auf dem Platze und den Bäumen rings, auf den Treppen und auf der Terraſſe, auf der ganzen zierlich ſchnörkelhaften Vorderſeite des Bauwerks träumte das Mondlicht und ließ alles noch viel ſtiller er⸗ ſcheinen.— Der Neiter ſtreckte die Hand nach dem Klingel⸗ zuge aus, den er am Thorpfeiler bemerkte. Aber er zögerte. Sollte, durfte er hier um Aufnahme bitten?
„Nun, was gibt's hier? Was wollt ihr?“ fragte da neben ihm die ziemlich barſche Stimme eines Mannes, den er, in das Schauen verſunken, ſich nicht hatte nähern hören. Als er jetzt raſch den Kopf dem Frager zuwandte, fand er in ihm einen bereits bejahrten Mann in der herkömmlichen


