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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Ich fahr und weiß nicht wohin. 5

geworden; nun jedoch, als das Pferd zwiſchen den Bäumen hinſchritt, klang es immer voller und näher. Jetzt verſtand er ſchon einzelne Worte, kannte nun auch die Melodie 8s war die des alten VolksliedesVon den beiden Königs⸗ kindern und nun er hielt unwillkürlich ganz an, um nicht einen Ton, nicht eine Biegung der wundervoll ſchönen Stimme zu verlieren nun ſetzte ſie den letzten Vers ein, und jede Silbe drang ihm in's Herz

Da hört man Glocken läuten,

Da iſt viel Jammer und Noth

Hier liegen zwei Königskinder,

Die ſind alle beide todt.

Der letzte Ton verklang, immer weicher, immer ſanfter der Reiter lauſchte umſonſt. Es ließ ſich nichts mehr hören als das Lispeln in den Lindenwipfeln und das ein⸗ tönige Plätſchern eines Brunnens oder eines andern nahen Gewäſſers.

Er nahm die Zügel auf und ritt raſch die kurze Strecke bis zum freien Platz hinauf hier kam er ja zu Menſchen. Allein, wo die Allee endete, war ein leichtes eiſernes Gitter⸗ thor zwiſchen zwei hohen Pfeilern, und rechts und links ſtreckte ſich eine, wenn auch nur niedrige Mauer hin. Jen⸗ ſeits öffnete ſich ein mäßig großer Raum von anſcheinend ovaler Geſtalt, während rings umher der Wald dicht und dunkel zur Höh ragte. In der Mitte des mit Raſen be⸗ deckten Platzes erhob ſich ein ziemlich großes Gebäude, deſſen