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Lorelei : eine Schloß- und Waldgeschichte / von Edmund Hoefer
Entstehung
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Ich fahr' und weiß nicht wohin. 3

einem Menſchen, bei dem er ſich hätte erkundigen können, war er ſeither auch nicht begegnet. Und jetzt ſchien das Spähen und Lauſchen gleichfalls keinen Erfolg haben zu ſollen.

Es war eine Auguſtnacht, und der Hauch, welcher droben in den Wipfeln ſäuſelte und zuweilen im leiſen Zuge auch die Straße entlang kam, belehrte den Reiſen⸗ den, daß ſie auf offeneren Stellen ziemlich kühl ſein mochte, obgleich hier im dichten Walde die Hitze der vergangenen Tage noch ſchwül genug zu ſpüren war. Der Mond ſtand jetzt faſt über dem Wege und ließ ihn und die Büſche und Laubmaſſen umher immer heller und ſchärfer aus der bis⸗ her herrſchenden Dunkelheit hervortreten. In einiger Ent⸗ fernung trat ein Reh auf die Straße, ſchaute ſich um, ſchmälte und trabte hinüber in das Gehölz; ein paar an⸗ dere folgten ihm ſchnell und verſchwanden gleichfalls, und dann war wieder alles einſam im ſtillen Mondlicht. Zeitweiſe rieſelte und zitterte es durch die Wipfel, ein paar⸗ mal ſchrie auch weit in der Ferne eine Eule; das Pferd ſchüttelte ſich einmal und ſchnaubte noch nach der letzten Anſtrengung. Sonſt aber war weit umher nichts als die Nacht und das Schweigen.

Verwünſcht! murmelte der Reiter.So bin ich

Er brach ab und neigte das Haupt lauſchend in die Richtung des Luftzuges, denn ihm war geweſen, als habe er einen Ton vernommen, wie ihn nur ein Menſch hervor⸗