236
Träume, dieſe ſchwerſten Fragen ihres Lebens gegen
Andere laut werden, daß ſie Andere daran Theil neh⸗
men ließ, konnte nur ein Schritt zur Beſſerung ſein.
So näherten ſie ſich allmälig Othmaringen.
Die eigentlich ſchweren Tage mochten für das ſtille Haus und ſeine Bewohner freilich vorübergegangen ſein, ſeit Bilingsfelden damals dem alten Pfarrer die Aufklärung gebracht und Charlottens Unſchuld verbürgt hatte; der Liebling war den alten Leuten von neuem geboren und theurer als je geworden. Baron Othmar nannte ihren Namen wieder, Frau von Soldnau erwachte aus ihrer Stumpfheit und ſchloß die Poſttaſche mit zitternden Händen ſelber auf. Allein das Alles war eben umſonſt, und die ſchlimmſten Tage kamen erſt jetzt, die Tage des Harrens und Bangens, der troſt⸗ loſeſten Ungewißheit, der qualvollſten Sorge. Die Ferne blieb todtenſtill, und da auch von Bilingsfelden keinerlei Kunde kam, fanden ſich die alten Menſchen völlig von der Welt abgeſchnitten; ja ſelbſt als nach vierzehn Tagen Bilingsfelden ſeinen Unfall meldete, der ihn zum Aufſchub ſeines Rettungswerkes zwang, und den von ihm erkundeten Aufenthalt Charlottens angab, wurde dadurch nichts gebeſſert. Im Gegentheil empfanden ſie zu Othmaringen erſt jetzt auf das bitterſte ihre Vereinſamung, ihre Hülfloſigkeit und die Schwäche


