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alten Geiſtlichen, dem Charlotte ſich mit allem Ver⸗ trauen, das ſie damals beſaß, angeſchloſſen hatte, von dem Arzt, dem ſie bei jedem Erſcheinen entgegenlächelte, an einem glänzend friſchen Herbſttage aufgebrochen und näherten ſich in kleinen Tagereiſen allmälig der Heimat. Denn Charlotte war aus der Ohnmacht, welche ſie in Bilingsfelden's Arme gelegt hatte, zu einer neuen, kurzen, aber ſchweren Krankheit erwacht, und obgleich ſie dieſelbe überwunden, befand ſie ſich noch immer in einem Zuſtande, in welchem faſt nur der Arzt mit ſeiner derben und klaren Auffaſſung des Lebens und der Menſchen die fortſchreitende Geneſung erkannte und verbürgen mochte. Für ihre Umgebung waren ſogar die körperlichen Kräfte weit im Rückſtande, und von dem, was uns die Geneſung eines lieben Menſchen gerade am ſchönſten und ſicherſten offenbart, von der Friſche und Heiterkeit des Geiſtes, von dem neuen Lebensmuth, von der frohen Theilnahme und Hingebung an das, was der Tag bringt, davon zeigte ſich leider kaum eine leiſe Spur. Charlotte war aus der Krankheit nicht vertrauensvoller, nicht heiterer her⸗ vorgegangen, und das Einzige, was man allenfalls als einen Fortſchritt gelten laſſen konnte, war, daß ſie ſich täglich vertrauter mit dem Gedanken an die Hei⸗ mat und die Ihren zu machen ſchien und daß ſie, nicht
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