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Sie wählte indeſſen nicht den gewöhnlichen Weg durch ihre Gemächer, welche ſich um die Kopfſeite des Flügels gegen die ihrem Wohngemach gegenüberlie⸗ gende, den großen Schloßhof begrenzende fortſetzten, ſondern trat auf den beide Seiten trennenden Corridor hinaus und ſogleich in die nahe Thür des ſogenannten blauen Salons. Er war jetzt, wie immer abends, hell erleuchtet, da man, wenn ſich das Fürſtenpaar oder andere Verwandte, wie es nicht ſelten geſchah, ganz häuslich und nachbarlich auf eine Stunde bei Prin⸗ zeſſin Conſtanze einfanden, gemeiniglich hier zu ver⸗ weilen pflegte. Augenblicklich aber war Niemand hier als Fräulein von Beringen, deren eigene Zimmer ſich links anſchloſſen und die jetzt, tief über eine Stickerei gebeugt, einſam auf einem der kleinen Eckſophas ſaß.
Sie ſchaute mit einem Zuge von Mißmuth in dem hübſchen, aber ſeinem ganzen Schnitte und gewöhn⸗ lichen Ausdruck nach ein wenig melancholiſchen Geſicht auf und nach der geöffneten Thür und zuckte, da ſie die Eintretende erkannte, mit allen Zeichen des Schreckens empor; eine brennende Röthe überflammte Stirn und Wangen, und die Hände ließen die Arbeit fallen.„Hoheit ſind ſchon zurück—“ ſtammelte ſie.
„Das bin ich längſt geweſen, mein Kind“ ſagte die Prin⸗ zeſſin, mit ernſtem, beobachtendem Blick die Sprecherin
Hoefer, In der Welt verloren. I. 15


