17 es nach Jahr und Tag klar wurde, daß ein guter Aus⸗ gang der Streitigkeiten nur von einer perſönlichen Ver⸗ handlung mit der Familie und der entſcheidenden Be⸗ hörde zu erwarten ſei, entſchloß ſich Baron Othmar ſogar zu der Reiſe in die Reſidenz.
Er ging fort als ein ſtiller, bleicher und müder Mann, der gar kein Geheimniß daraus machte, daß dieſer Schritt hinaus ins Weltgetriebe für ihn ein ſehr ſchwerer ſei, und daß er ihn auch nur halb aus alter Liebe zu ſeinem frühern Mündel, halb in der Ueber⸗ zeugung zu thun vermöge, daß der Dame das himmel⸗ ſchreiendſte Unrecht geſchehe und daß jeder Ehrenmann verpflichtet ſei, in ſolchem Fall mit ſeiner Hülfe nicht zurückzuhalten. Und nach drei Wochen kam er zurück als ein ernſter, kluger, feſter Herr und Gebieter, der nicht blos die Angelegenheit der alten Freundin glän⸗ zend durchgeführt hatte, ſondern auch für ſich ſelber aufgewacht zu ſein ſchien, voll Bewußtſein ſeiner Stel⸗ lung, voll Schaffensluſt und Schaffenskraft.
Was in der Reſidenz geſchehen ſein und derartig auf ihn gewirkt haben könne, das erfuhr Niemand, und ſelbſt der Pfarrer, dem der Herr entſchieden am nächſten ſtand, vernahm nur eine Andeutung, die ihm freilich weitere Folgerungen möglich machte.
„Nun ja“, meinte der Baron ruhig, da der Freund Hoefer, In der Welt verloren. I. 2


