237 der Lichter vom Inſtrument, zündete es an und ging in das vordere Gemach, in das, wo vordem der alte Organiſt gehauſt hatte. Es war hier auch ſtill. Aber dennoch fühlte ſie ſich dem Leben und der Wirklichkeit näher und den Boden ſicherer unter ihren Füßen.
Als ſie an den Tiſch trat, der jetzt in der Mitte des Zimmers ſtand, lag auf der dunkeln Decke deſſel⸗ ben etwas, das ihr fremd erſchien und das ihr kurz⸗ ſichtiges Auge nicht zu erkennen vermochte. Sie ſetzte das Licht nieder und nahm den Gegenſtand auf— ein Elfenbeinplättchen— und ſah es an und ſchrie hell auf— es war ein kleines Miniaturbild ihres Kindes, das der Prinz im erſten Schmerz über den Tod deſſel⸗ ben aus der Erinnerung zu malen begonnen, aber niemals vollendet hatte, noch ihr überlaſſen wollte! Und jetzt war es fertig, und hier lag's! Und es lag noch ein zweiter Gegenſtand daneben— ſie hob ihn auf und ans Licht— und ein zweiter Schrei rang ſich aus ihrer Bruſt— es war ein Daguerreotyp und es zeigte ihr das kleine ſtille Grab des Kindes an dem Bach im Rothenſteiner Grund!
Roſa ſtürzte herein.„Um Gotteswillen, gnädige Frau!“ rief ſie erſchrocken.
Marie flog auf ſie zu, ſie zog ſie zum Tiſch, ſie


