231
Kraft und der gleichen Täuſchung jener Jugendilluſionen
— ſagen Sie ſelber, mein Freund, könnte das ein Halt ſein, eine Dauer haben? Könnten wir uns ſelber, könnte irgend ein Anderer uns entſchuldigen und auch nur glücklich wähnen? Wir ſind nicht mehr jung genug für den Schein. Noch einmal, die Ehe zur linken Hand hat mich nie gegrämt, wäre nur die Liebe— ſeine Liebe eine rechte geweſen.“
„Ich ſeh' es Ihnen an“, ſagte die Commerzien⸗ räthin, als eine Stunde ſpäter der Rath in das be⸗ hagliche Zimmer trat und, nachdem er den Hut fort⸗ geſtellt hatte, in einer gewiſſen ſtillen Weiſe bei dem alten Paare am Theetiſch Platz nahm,„es iſt ge⸗ kommen, wie ich Ihnen vorausgeſagt habe: Ihr Weg iſt, in Ihrem Sinne, ein vergeblicher geweſen.“
Der Rath war eine Weile ſtill. Dann ging ſein Blick von der alten Freundin zu ihrem Gatten und wieder zurück und er ſprach:„So ſcheint es allerdings. Ich bin einer Entſchiedenheit oder, um nicht ungerecht gegen Marie zu ſein, einer Klarheit der Anſchauung begegnet, welche mich ſehr überraſchte, weil ich ſie in dem ſtillen Menſchenkinde niemals zu finden erwarten konnte, und Marie ſtreng genommen in meinen Augen noch höher ſtellt, dennoch mich aber auch betrübt, für ihn und ſie ſelbſt. Sie ſagt, die Illuſionen ſeien zer⸗


