39
merzienrath und ſeine Gattin in dieſem Verhältniſſe nicht. Der Prinz war allerdings nicht nur ein ſchöner, ſondern auch noch ein junger Mann, zum mindeſten noch keineswegs in den Jahren, welche ihn einem Mäd⸗ chen von Mariens Alter nothwendig hätten ſchon alt erſcheinen laſſen müſſen. Mit dieſem Aeußern vereinten ſich nicht nur ſein Geiſt und ſeine Bildung, ſondern auch ſelbſtverſtändlich die vollendetſten Umgangsformen, und er war Alles in Allem wohl der Mann, der auf Frauen, nicht um ſeines Ranges, ſondern um ſeiner ſelbſt willen, einen tiefen und nachhaltigen Eindruck zu machen ver⸗ mochte. Aber einerſeits war es ihm ſelber bisher nie⸗ mals um einen ſolchen Eindruck zu thun geweſen, noch hatte er demſelben, wo er vielleicht dennoch einmal zu bemerken war, jemals eine Rückwirkung auf ſich geſtattet, geſchweige denn ihn ſich im Sinne der Welt zu Nutze gemacht. Undandererſeits erſchloß Marie ſich ihm ſo offen, ſo hingebungs⸗ und vertrauungsvoll, daß ihr Herz nach
allem menſchlichen Begreifen dabei kaum etwas Anderes fühlen konnte als die Liebe und Verehrung einer jungen Schweſter oder Freundin zu dem ältern, erfahrenern, ihr weit überlegenen Bruder oder Freund. Und was das wackere Paar, wenn ſich ja einmal irgend eine leiſe Beſorgniß in ihm regen wollte, ſtets von neuem und am meiſten beruhigte, war die Beobachtung, daß ſich im


