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Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
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ſich ſchüchtern öffnet und ihre Blätter auseinander legt, bis man tief hineinblicken kann in den ſtillen, duftvollen Kelch. Und auch durch die Töne ihres Geſangs klang jenes leiſe Verſtehen hin, die junge Seele ſchwang ſich mit ihnen jubelnd empor, voll Friſche und Kraft, voll Zartheit und Reinheit, oder ſie wiegte ſich auf ihnen in ſüßer Träumerei und lauſchte hinaus, ſcheu und doch gläubig, in den Glanz und Duft des weiten, weiten, golden ſchön aufſteigenden Lebens.

So verſtehen dürfen die Leſer dies freilich nicht, als ob das junge Weſen ſich nun auch plötzlich, wie andere Mädchen, die aus engen Verhältniſſen hervortreten durf⸗ ten, heiter und fröhlich ins neue friſche und freie Leben hineingeworfen und unbedächtig und glückſelig ſich in den glänzenden Wogen dahingewiegt hätte, aller Welt die Fülle und das Glück ihrer Jugend, ihres Herzens entgegenjauchzend. Im Gegentheil, wie heiter ſie auch innerlich war, wie voll und warm es ſich in ihr regte und ſie erfüllte, der Welt, der Geſellſchaft gegenüber, der ſie ſich plötzlich nahe gerückt fand, blieb ſie faſt im⸗ mer das ſtille und verſchloſſene, ſcheue und träumeriſche Kind, das ſie ſtets geweſen, und es waren nur wenig Bevorzugte, die zuweilen einen Einblick in die volle, warme und reine Tiefe ihres Innern, in ihr wirkliches, eigenes Sein und Weſen erhielten.