Druckschrift 
Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4 20

Weiſe, mit allen Kräften und Mitteln zu der Ausbildung und Vollendung führen, welche dem Menſchlichen ge⸗ ſtattet iſt. Es leuchtete von neuem in ſeinem Auge auf, und wisder bot er ihr die Hand.Sie ſprechen mir zu Herzen, ſagte er,und ſchließen es auf. Ich will offen gegen Sie ſein. Als ſich vor zwei Jahren ihre Stimme frei machte, hat ſie mir im Grunde mehr Sorge als Freude gemacht, denn die Frage konnte nicht aus⸗ bleiben: was damit thun? Das Kind zu einer Sän⸗ gerin großen Stils ausbilden, wie es ſolche noch im vorigen Jahrhundert gab und wie es mir bis auf einen gewiſſen Grad vielleicht möglich wäre, darauf mußt' ich wohl verzichten; wo fände eine ſolche noch ihren Piatz und wer möchte ſie hören, wer würde ſie würdigen? Zu einer Opernprinzeſſin? Darauf habe ich ſchon ge⸗ antwortet. Alſo dachte ich: du gibſt ihr, was in deinen Kräften ſteht, und dann mag ſie ſelber weiter ſorgen. Ja, ich laſſe ihr ſchon jetzt eine gewiſſe Freiheit. Sie haben ſie geſtern Abend gehört, ſagen Sie. Da werden Sie denn auch eins von den Dingelchen gehört haben, die man Volkslieder heißt.'s iſt ein Firlefanz und nicht meine Wahl, ſondern die ihre, aber ich laſſe ſie. Nützen thut das Zeug ihrer Stimme nicht, allein, geſund wie ſie iſt, fürcht' ich auch keinen Schaden davon.

8