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vergeſſenen Gräber des frühern Kirchhofs darunter — und die lauten Stimmen klangen ſo unheimlich zurück von den ſchweren Mauern, Pfeilern und Thürmen..
Ihr Vaterhaus ſelber lud gleichfalls nicht zu Be⸗ ſuchen ein, und die Menſchen, die in demſelben hauſten, erleichterten den Verkehr auch nur mit der Nachbarſchaft nicht, zogen ſich vielmehr ſtets weiter von derſelben zu⸗
rück. Durch Marie wurde das hier, wie es ſonſt in
ähnlichen Fällen zu geſchehen pflegt, nicht wieder gut gemacht. Sie ſchloß ſich ebenſo wenig an und zog Nie⸗ mand zu ſich herüber. Sie war nicht fröhlich genug, um den Leuten ein freundlich Wort abzugewinnen, und ihre Erſcheinung machte ebenfalls keinen raſchen, herz⸗ lichen Eindruck. Denn ſchön war Marie nicht. Ihr Geſicht zeigte allerdings reine und feine Züge, allein ohne jene Harmonie, durch welche dieſelben erſt zu einem anſprechenden Ganzen werden und die Blicke der Leute anziehen und feſſeln. Nur ihre Augen machten zuweilen auf den und jenen einen beſondern Eindruck— ſie er⸗ ſchienen in dem blaſſen, magern Geſichtchen wunder⸗ bar groß und tief, und was aus ihnen hervorlauſchte, ging weit hinaus über das Leben und Weben in einem Kinderherzen, in einem Kinderkopf. Aber das Seltſamſte war, daß mehr als einer feſt in dieſe Augen blicken konnte und


