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Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
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7 die drei ihren Sonntagnachmittag⸗Spaziergang machten oder an milden Abenden auf der Bank vor der Haus⸗ thür ſaßen, konnte man den ſtillen Mann zuweilen mit ſeinen Begleiterinnen ſich unterhalten, einem Begegnenden⸗ oder Herantretenden ganz ordentlich Rede ſtehen hören. Man erkannte in dem Verſchloſſenen mehr Regſamkeit und Theilnahme, als man erwartet, und ſtieß auf ein Verſtändniß und eine klare Anſchauung, wo man bei ihm kaum eine Kenntniß der Sache vorausgeſetzt hatte. Lange währte dieſe gute Zeit leider nicht. Nach wenig mehr als einem Jahre wurde in den ſtillen Räumen derCantorei eines ſchönen Morgens noch einmal das Wimmern eines kleinen Kindes vernommen, und ein paar Tage darauf nahm der Leichenwagen vor der Thür wieder einmal einen Sarg in Empfang: Johann Se⸗ baſtian war noch einmal Vater und zum zweiten Mal Wittwer geworden. Seine Geſprächigkeit hörte auf, ſeine Theilnahme zog ſich ſchweigend ins Innere zurück. Er war wieder der alte, ernſte, gebeugte Mann mit den tiefen Zügen und den nachdenklichen Augen; und hätten Sonntags nicht die prachtvollen Klänge ſeiner Orgel die hohen Gewölbe des Doms erfüllt, und wären in frühen Morgen⸗ und ſpäten Abendſtunden nicht die andern vernommen worden, die er dann ſeinem Klavier