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Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
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ſtets nur den alten Cantor geheißen. Und ebenſo blieb er auch der ſtille, ernſte, ſchlichte und gutmüthige Mann, der er ſtets geweſen, nur daß im menſchlichen Sinne ſein Ernſt und ſeine Stille allmälig mehr begründet und berechtigt erſchienen als in den erſten Jahren nach ſeiner Anſtellung.

1 Die damaligen Kriegszeiten es war zu Anfang des Jahrhunderts wurden auch für dieſe Stadt ſchwerer und ſchwerer und verſchonten den Organiſten ebenſo wenig wie ſeine Mitbürger; es kamen ſogar

Jahre, wo er ſelbſt der Ausübung ſeiner Kunſt faſt

ganz entſagen mußte, denn die Liebfrauenkirche mußte zum Magazin dienen. Ein paar Kinder ſtarben, denn der Tod hielt damals nicht allein auf den Schlachtfeld und in den Lazarethen ſeine Ernten; die Frau folgte ihnen gerade in der Zeit des ſchwerſten Druckes nach, und als es endlich in der Welt wieder beſſer wurde und der Friede zurückkehrte, lächelte dem armen Orga⸗

niſten das Glück dennoch nicht. Die drei Knaben, welche ihm am Leben geblieben waren, machten ihm

keine Freude, ſondern nur Kummer und Sorge. Es waren alle drei hochbegabte Burſchen, aber der eine immer wilder und meiſterloſer als der andere. Sie erfüllten das Vaterhaus, die Nachbarſchaft, die ganze Stadt mit Lärm und Verdruß und man rief ihnen