5 8
keine Segenswünſche nach, als der eine ſeine Wande⸗ rung antrat, der zweite entlief und der dritte endlich gleichfalls verſchwand. Der Name Kettenbrink, der ſeither nur allzu häufig in der Leute Mund geweſen, verklang wieder, und an den„alten Cantor“ dachte man faſt nur, wenn man Sonntags ſeinem prachtvollen Spiele lauſchte und einander freudig zugeſtand, daß die Stadt in ihm den vielleicht letzten großen Muſiker der alten Bach'ſchen Schule beſitze. Ein paar Jahre ſpäter wurde man noch einmal aufmerkſam auf ihn und nannte von neuem ſeinen Namen auch in anderem Sinne, der Eine tadelnd, der Andere billigend, jeder mit einem gewiſſen Erſtaunen. Der nunmehr wirklich nicht mehr junge Cantor heiro⸗ thete plötzlich und zwar die ältere von zwei bejahrten Schweſtern, die das Häuschen neben dem ſeinen be⸗ wohnten, brave alte Mädchen und mit einem kleinen Vermögen, welches im Verein mit der freien Wohnung und ihren Handarbeiten für ihre beſcheidenen Anſprüche völlig genügte. Auf Geld und Gut ſah Herr Johann Sebaſtian allerdings nicht; wie er und wie man über⸗ haupt damals noch lebte, war ſelbſt ſein Einkommen für eine ſchlichte Familie genügend, und er hatte über⸗ dies Niemand, für den er hätte ſparen und zurücklegen ſollen. An ſeine Söhne dachte er ſelber vermuthlich in


