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Zur linken Hand : eine Erzählung / von Edmund Hoefer
Entstehung
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fingen an, auf dem Scheitel und an den Schläfen dünn zu werden und ſich mit grauen zu miſchen, und die großen blauen Augen blickten nicht mit der Zufrieden⸗ heit und dem Vertrauen in die Welt hinaus, welche durch die gute und ſichere Lebensſtellung, die fröhlich gedeihende junge Familie, die Anerkennung der neuen Mitbürger gerechtfertigt worden wären, ſondern ſchauten nachdenklich und faſt ſchwermüthig vor ſich hin, als ſähen ſie trotz des Sonnenſcheins umher und durch denſelben in ſchwere, dunkle Schatten. Den Frohſinn traf man nie in dieſen Zügen, und ein Lächeln war in ihnen nur wie ein ſeltener, ſcheuer Gaſt. Aber trotzdem war der Organiſt kein finſterer und ſtrenger, ſondern ein freundlicher, nachſichtiger, gutmüthiger, ja gütiger Mann. Er ſab Welt und Leben eben nur anders und nicht mit jungen Augen und friſchem Herzen an und hatte ſich ſelber in ihnen niemals jung gefühlt.

So war er hierher gekommen und ſo blieb er hier, Jahr auf Jahr; er wurde durch die guten Zeiten nicht jünger, durch die ſchweren nicht älter. Die Zeit ging, wie bei ſolchen Menſchen meiſtens, verhältniß⸗ mäßig ſchonend mit ihm um: ſeine Haare wurden dünner und weißer, ſeine Geſtalt noch ein wenig gebeugter, aber das hatte im Grunde bei ihm nicht viel zu ſagen; man

hatte ihn von Anfang an niemals den jungen, ſondern 1* 3*